EU-Verordnungen: wenn ein Generationenwerk ins Wanken gerät

//EU-Verordnungen: wenn ein Generationenwerk ins Wanken gerät

EU-Verordnungen: wenn ein Generationenwerk ins Wanken gerät

Der 14. November 2019 wird uns wohl gut in Erinnerung bleiben, als wir in der Bauernzeitung lasen: Ab der kommenden Weidesaison 2020 gilt die Weideverpflichtung ausnahmslos für alle Biobetriebe – ein Beschluss der EU-Kommission…, Details werden noch bekannt gegeben…

WOW… Uns rutschte erstmal das Herz in die Hose, 1000 Gedanken im Kopf. Was bedeutet das? Verlieren wir den Bio-Status, müssen wir unsere Milchwirtschaft aufgeben? Umbauen, Ausbauen – aber wo? Und mit welchem Geld?

Weidemöglichkeit = glückliche Kuh?

Denn unsre Problematik, die wir mit vielen weiteren Bauern teilen: Da wir mitten im Dorf wohnen, ist die Weidemöglichkeit für all unsere Tier aktuell nicht gegeben, sonst hätten wir das schon längst veranlasst! Dafür – und das war bislang die Ausnahmeregelung bei beengter Hoflage – genießen sie ganzjährig Bewegung in unserem Auslauf und bekommen zweimal täglich frisches Gras „freihof“, direkt vor das Maul, serviert. Jeder, der schon mal einen Blick in unseren Stall geworfen hat, weiß: unseren Tieren geht’s gut, wir kennen sie und ihre jeweiligen Besonderheiten, wir sind Tag und Nacht besorgt um ihr Wohl und schauen darauf, dass sie es gut haben. Bio ist seit 2002 unsere Überzeugung (siehe auch: http://prinzenhof.at/bio-landwirtschaft/). Vielfältig, lebendig und gesund wollen wir als kleiner Betrieb bleiben, daher liegt uns neben dem Tierwohl auch die Bodengesundheit sehr am Herzen.

Kuh-Wellness am Prinzenhof

Kuh-Wellness am Prinzenhof

Vor einigen Jahren ergab es sich, dass wir unsere Jungtiere vis à vis auf eine kleinere Weide lassen konnten, bei unseren Milchkühen ist dies allerdings nicht möglich. Denn wir können sprichwörtlich nicht aus, sind leider nicht in der glücklichen Lage einer uns umgebenden Weidefläche. Sondern da sind Straße, Wald und Häuser. Das ist Tatsache.

Was tun?
Wir warteten also noch auf die versprochenen weiteren Details, die mit etlichen Wochen Verspätung dieser Tage bekannt wurden und gingen im Kopf sämtliche Möglichkeiten (und Unmöglichkeiten) durch.
Ja, nun haben wir es schwarz auf weiß: Tiere aus Bio-Betrieben müssen künftig weiden. Herausforderungen wie zu überquerende Straßen oder weite Entfernungen zu möglichen Weideflächen (man bedenke: Milchkühe haben 2x täglich „Anwesenheitspflicht“ im Melkstand) und dergleichen werden nicht mehr berücksichtigt.

Nicht fair…

Aber: Wie können derart wichtige Richtlinien, von deren Beschluss man erst vor einigen Wochen erfährt, bereits ab 1.1. 2020 in Kraft treten? Warum wurde das nicht bereits viel früher kommuniziert und rechtzeitig vorgewarnt? Denn das bringt uns innerhalb kürzester Zeit sehr unter Zugzwang. Es ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit einen Zukunftsplan bis Neujahr in der Tasche zu haben. Und es scheint wie immer: es werden Richtlinien beschlossen und alle in dieselbe Schublade gesteckt.

Wir freuen uns, dass Andrea, unsere jüngste Tochter (21) vor kurzem den Hof übernommen hat, mitten im landwirtschaftlichen Meisterkurs steckt und Freude und Muße hat, das Generationenwerk weiterzuführen. Weil es eben heute auch keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Ihr selbst ernanntes Steckenpferd: die Milchwirtschaft.
Nun aber ist die Zukunft ungewiss. Wie wird es weitergehen? Nicht Bio zu landwirtschaften – das ist für uns keine Option. Unser Bio-Hofladen? Unsere Erpfi? Einen Stall irgendwo außerhalb zu bauen – ist bei unserer Betriebsgröße (14 Milchkühe) wirtschaftlich kaum vorstellbar, aus finanzieller Sicht schlichtweg ein Wahnsinn.

Was wir tun? Wir wissen es noch nicht. Genauso wie wahrscheinlich ganz viele andere Bio-Bauern. Weil halt nicht jeder das Glück einer arrondierten Lage hat. Aber muss dafür ein Generationenwerk den Bach hinunter gehen? Es wäre so schade… Vor allem weil wir mit Leib und Seele Bio-Bauern sind. Wenn wir einen Weihnachtswunsch frei hätten? Wir wüssten ihn schon…

2020-01-30T08:11:00+00:00 21. Dezember 2019|